Steinernes Haus
Steinernes Haus
In einem mehrteiligen Gebäudekomplex am Benediktsplatz 1 in der Erfurter Altstadt befindet sich ein mittelalterlicher Steinbau, das sogenannte „Steinerne Haus“. Hierbei handelt es sich um ein herausragendes Zeugnis spätmittelalterlicher profaner Baukultur, das spätestens seit dem Ende des 13. Jahrhunderts jüdischen Besitzern zugeordnet werden kann. Als solches ergänzt es die Ritualbauwerke Alte Synagoge und Mikwe und ist ein weiterer Baustein des Erfurter UNESCO-Welterbes. Aus der Erbauungszeit um 1250 haben sich außergewöhnlich viele wesentliche Strukturen erhalten, darunter die Portale zu den beiden Hauptgeschossen, die Geschoßbalkendecke, die Westfassade, der ursprüngliche Treppengiebel und die Dachwerkshölzer. Europaweit einzigartig ist die erhaltene Ausstattung des Obergeschossraumes mit spitzbogiger Lichtnische mit Rauchabzug, kaum veränderten Außenwänden mit Ritzfugen sowie einer farbig gefassten Holzbalkendecke, deren Balken auf 1247 datiert werden konnten.
In dem Gebäudekomplex am Benediktsplatz 1 befinden sich heute Büros und Geschäftsräume der Stadt Erfurt. Bereits in den 1990er Jahren begannen parallel zu den Sanierungsarbeiten des Gebäudekomplexes erste Untersuchungen. Von 2015–2017 wurde der gesamte Komplex im Rahmen eines von der DFG geförderten Projektes erforscht. Auf Basis der laufenden historischen Bauforschung und der restauratorischen Untersuchungen werden weitere Maßnahmen durchgeführt und im Anschluss ein auf den wertvollen Bestand abgestimmtes Nutzungskonzept erstellt. Daher ist das „Steinerne Haus“ aktuell nicht für die Öffentlichkeit zugänglich. Lediglich im Keller des „Steinernes Hauses“ findet sich ein Schaudepot mittelalterlicher jüdischer Grabsteine, welches im Rahmen von Führungen besichtigt werden kann.
Details
Deutschland
Erfurt
99084
Benediktsplatz 1